PFC-Problematik: die Fakten

Am 15. Mai 2019 veranstalteten wir einen gut besuchten Informationsabend zur PFC Problematik im Landkreis Rastatt und der Gemeinde Rheinmünster. Andreas Adam, als Vertreter der Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser Kuppenheim“ referierte kompetent zum Thema und erklärte viele der Hintergründe zu PFC sehr anschaulich und ausführlich.

Jeder Bürger*in hat die Möglichkeit, viele der Informationen zu PFC einzusehen und sich bei den entsprechenden Behörden und Institutionen zu informieren. Die im Vortrag von Andreas Adam dargestellten Untersuchungen und Details sind aus öffentlich zugänglichen, seriösen Quellen. Auch wir haben uns aus den Veröffentlichungen des Landratsamtes, Regierungspräsidiums, Landes- und Umweltbundesamtes einige Informationen zusammengesucht, um eine bessere Kenntnislage zur PFC Situation hier bei uns zuhause zu erhalten.

Wir stehen für Transparenz und Information beim Thema PFC und finden, die Bürger*innen haben ein Anrecht darauf, umfassend und detailliert über das Thema informiert zu werden. Leider tut da unsere Gemeinde recht wenig von sich aus und gibt nur sporadisch die Informationen weiter, die ‚von oben‘ kommen. Wenig zielführend ist auch die kürzlich von der CDU im Gemeindeblatt veröffentlichte Anzeige betreffend PFC. Damit wurde mehr zur Verunsicherung beigetragen und eine „Alles-nicht-so-schlimm“-Mentalität gezeigt, die der Bevölkerung in diesem komplexen Thema missfällt. Man kann über die Beweggründe für diese Anzeige nur spekulieren (oder uns nach unserer Meinung dazu fragen 😉 )

Wir wollen deshalb hier einige Fakten und Informationen auflisten, um ein wenig mehr Transparenz in das Thema und die Lage bei uns zuhause in Rheinmünster zu bringen. Es sei vorneweg klargestellt, dass wir selbst keine Experten zur PFC Problematik sind. Wir haben hier lediglich die Daten, Einschätzungen und Informationen zusammengefasst, die von den zuständigen Behörden auch öffentlich so bekannt gemacht wurden.

Überblick PFC Belastung Flächen & Grundwasser – Stand Okt 2018 – Quelle: Landesministerium Umwelt Baden-Württemberg / PFC Online Karten
  • PFC ist eine gefährliche chemische Substanz: es kann durch Essen und Trinken ins Blut gelangen. Entsprechende Bluttests betroffener Gruppen im Landkreis weisen dies eindeutig nach. Die besorgniserregenden Eigenschaften der PFC sind bei den langkettigen PFC die (sehr) persistenten, (sehr) bioakkumulierenden sowie toxischen Eigenschaften und bei den kurzkettigen PFC die extreme Persistenz und hohe Mobilität. (Quelle: Umweltbundesamt )
  • Eine aufwändige Studie in USA an über 69.000 (!) Probanden zeigte „mögliche Verbindungen“ zwischen der PFOA-Belastung im Trinkwasser der untersuchten 69000 Bürger und verschiedenen Beschwerden: Nieren- und Hodenkrebs, Colitis ulcerosa, Erkrankungen der Schilddrüse, Hypercholesterinämie und Schwangerschaftshypertonie (Quelle: C8 Science Panel – ein Gutachterausschuss des Circuit Court of Wood County, West Virginia)
  • Sicher ist aber auch: im Trinkwasser der Gemeinde Rheinmünster (Versorgung über das Wasserwerk „Am alten Brunnen“) konnte bisher keine Belastung nachgewiesen werden. Das Trinkwasser ist also sicher! Das Trinkwasser und das Trinkwasserschutzgebiet wird in engen, regelmäßigen Abständen überprüft. Zum jetzigen Kenntnisstand bzgl. belasteter Flächen, ist das Einzugsgebiet sicher. Leider versäumt es die Gemeinde, die entsprechenden Trinkwasserwerte regelmäßig zu veröffentlichen. Auf der Gemeinde-Website sind die Daten vom Juni 2017 (!) aufgeführt, obwohl inzwischen vierteljährlich überprüft wird. Hier sollte eine bessere Informationspolitik betrieben werden (Quelle: Gemeinde Website)
  • Im Landkreis Rastatt und Baden-Baden sind insgesamt 785 ha Fläche mit PFC verseucht. Auf Rheinmünster entfallen davon 77 ha und sie gehört zu den 4 am meisten betroffenen Gemeinden. Die konkreten verseuchten Ackerflächen kann jede*r über die Karten auf PFC Online des Landesministerium für Umwelt Baden-Württemberg einsehen. Die Daten entsprechen dem Stand Oktober 2018. Man geht davon aus, inzwischen alle möglichen verseuchten Flächen erfasst zu haben, kann dies aber nicht garantieren.
  • Über die belasteten Flächen in unserer Gemeinde wird das PFC auch in das Grundwasser gespült. Hier sind teilweise schon starke Verunreinigungen nachweisbar (siehe hierzu auch Karten bei PFC Online mit den modellierten PFC Gehalten im Grundwasser).
  • Aufgrund des belasteten Grundwassers wird von den Behörden (wie auch im Gemeindemitteilungsblatt bekannt gegeben) davon abgeraten, das Wasser aus eigenen Brunnen für den Garten zur Bewässerung von Obst und Gemüse zu nutzen. Dies gilt insbesondere für die Gebiete westliches Schwarzach und gesamtes Söllingen. Hier wird empfohlen für die Gartenbewässerung auf Trink- oder Regenwasser auszuweichen (Quelle Landratsamt Rastatt und Gemeinde Rheinmünster)
  • Die überwiegende Ursache für die Verunreinigung der landwirtschaftlich genutzten Flächen ist das (teilweise unerlaubte) Ausbringen von verseuchten Klärschlämmen und kontaminierten Komposten. In einzelnen Fällen konnte nachgewiesen werden, dass die Ausbringung der Komposte nicht den genehmigten Vorgaben entsprach, sowohl die Menge als auch die Häufigkeit betreffend (Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Bürgerinitiative Kuppenheim, Gerichtsurteil Oberverwaltungsgericht Mannheim)
  • Die regionalen landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden durch ein Vorerntemonitoring untersucht, sofern die Produkte für den Handel vorgesehen sind. Es wurden keine Belastungen bisher gefunden; und falls sie vereinzelt entdeckt wurden, dann werden die Produkte nicht für den Verkauf zugelassen (z.B. können Erdbeeren bei starker Bewässerung ggf. PFC in der Frucht anreichern und Spargel bei erhöhten Außentemperaturen). Beim Vorerntemonitoring wird dies konsequent überprüft; allerdings werden nur Erzeugnisse erfasst, die auf bekannten belasteten Flächen geerntet werden und von Landwirtschaftlichen Betrieben, die diese für den Handel, Hofladen oder Direktverkauf produzieren. Private Erzeuger werden ggf. nicht erfasst- hier sollte bei Zweifel der Verbraucher konkret nachfragen. (Quelle: Bürgerinformationsbroschüre zu PFC des Regierungspräsidiums Karlsruhe)
  • Landwirte werden angehalten, bei belasteten Flächen und Grundwasser entsprechend vorsichtig die Felder zu bewässern oder gar komplett darauf zu verzichten. Die Behörden geben entsprechende Empfehlungen aus. (Quelle: Regierungspräsidium Karlsruhe)
  • Im Angelsee „Oberer Altwassersee“ wurde beim letzten Oberflächengewässer Monitoring eine der größten Belastungsquotienten im ganzen Landkreis festgestellt. Der benachbarte Kastenausee ist ebenfalls belastet. Hier wird den Anglern angeraten sich über aktuelle Werte zu informieren (Quelle. Oberflächengewässermonitoring Landratsamt Rastatt).

Zusammenfassend ist zu sagen, dass PFC ein ernstzunehmendes Thema ist und die Problematik uns noch lange beschäftigen wird. Leider gibt es noch keine konkret, flächendeckende Lösung dafür. Für einzelne Flächen halten wir die Einsaat von Gras- und Wildblumen als vorübergehende Maßnahmen für zweckmäßig. Für andere – stark belastete – Flächen wäre die Versiegelung des Bodens und dann der Nutzung zb als Photovoltaik Feld eine Idee, die wir gerne voran bringen wollen.

Insgesamt wünschen wir uns von der Gemeinde und den Beteiligten mehr Transparenz. Es geht keineswegs darum, Verursacher und Schuldige dingfest zu machen, sondern eine höhere Achtsamkeit für die Belange des Umweltschutzes zu erreichen. Die PFC Verseuchung ist nicht das Problem einzelner Betroffener – wir sind alle betroffen. Aber wir haben auch alle zu dem Problem beigetragen, indem wir PFC in vielen alltäglichen Produkten nutzen (z.B. Outdoor-Kleidung, Pizzakartons, Hochglanz-Druckerzeugnisse, Wegwerfbecher, etc.). Jetzt sollten wir uns daher gemeinsam anstrengen, unsere Natur besser zu schützen und unser Zuhause lebenswert zu entwickeln.

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